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Stehen wir vor dem nächsten Crash am Aktienmarkt?

Das erste Quartal des Börsenjahres 2021 hat die meisten Anleger positiv überrascht, die Wertsteigerungen an den Aktienbörsen liegen im weltweiten Durchschnitt bereits auf dem Niveau eines typischen Jahresgewinns. Die Aktienmärkte haben einen Stand erreicht, den die meisten Analysten, wenn überhaupt, erst zum Jahresende prognostiziert hatten. Trotzdem sehen die allermeisten Banken und Verwalter keinen Grund vorsichtiger zu werden, sondern passen die Ziele mehrheitlich nach oben an und setzen auf eine Fortsetzung der Hausse.

Wie realistisch ist es angesichts des erreichten Kursniveaus, einen weiteren Anstieg der Aktienbörsen zu erwarten?

Treiber der derzeitigen Hausse an den Aktienbörsen sind die massiven fiskalischen und geldpolitischen Impulse und, angesichts guter Fortschritte bei den Impfungen in einigen Regionen, die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung des öffentlichen Lebens. Das erreichte Niveau bedeutet aber gleichzeitig Rekorde in den Bewertungen. So liegen zum Beispiel die Bewertungen der Aktien am größten Markt in den USA derzeit schon auf dem Niveau der sogenannten „Dotcom-Blase“ im Jahr 2000 und oberhalb des Hochs vor dem Crash von 1929. Auch für die Aktienmärkte in Europa und Fernost lassen sich vergleichbare Indikatoren anführen, die auf den ersten Blick allesamt auf eine Überbewertung hindeuten.

Daraus auf einen in nicht allzu ferner Zukunft folgenden Crash aufgrund starker Überbewertung zu schließen, wäre aber nach der Auffassung der Mehrheit der Analysten zu einfach. Ein wesentlicher Aspekt für diese Einschätzung ist im Vergleich zu früheren vor großen Crashs erreichten Bewertungshochs das völlig andere geldpolitische Umfeld. Das Zinsniveau ist mit Sätzen nahe Null deutlich niedriger, die Flut von Liquidität ist unvergleichlich groß. Diese Faktoren rechtfertigen selbst in den Augen der Analysten, die rechtzeitig auf die letzten großen Einbrüche hingewiesen haben, das derzeitige Kursniveau. Voraussetzung für die Fortsetzung der Hausse ist daneben ein mehrheitliches Realisieren der erwarteten, zum Teil erheblichen Gewinnsteigerungen im laufenden und im kommenden Jahr.

Faktoren, die dieses positive Szenario darüber hinaus beeinträchtigen könnten, sind deutlich anziehende Inflationsraten und Anleihezinsen als Folge des erwarteten Konjunkturaufschwungs und eine nachlassende Unterstützung der Wirtschaft durch den Staat und die Notenbank. Diese Gefahren werden aber mehrheitlich als unwahrscheinlich angesehen, die positiven Faktoren überwiegen eindeutig.

Welche Handlungsempfehlungen werden gegeben?

Ganz überwiegend kommen Banken und Verwalter somit zu dem Ergebnis, dass angesichts des positiven Ausblicks eine Übergewichtung von Aktien beibehalten werden sollte und dass zyklische Titel von der konjunkturellen Belebung stärker profitieren werden. Auf dem mittlerweile erreichten Zinsniveau sehen Banken und Verwalter insbesondere bei Staatsanleihen eher Risiken, dagegen bieten Unternehmensanleihen eine bessere Rendite und sollten mittelfristig von der konjunkturellen Dynamik profitieren. Im Rohstoffsektor wird das größte Potenzial bei Industriemetallen gesehen, die zum einen von der konjunkturellen Entwicklung zum anderen aber auch von strukturellen Veränderungen im Fahrzeugbau und im Energiesektor profitieren.