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RLT Ruhrmann Tieben & Partner mbB - Aktuelle Nachrichten
22.10.2018 | RLT

Doppelte Haushaltsführung bei Auslandsstudium

Im Rahmen der Berufsausbildung ist es mittlerweile eher Standard als Seltenheit, dass Auslandssemester oder auch Auslandspraktika absolviert werden. Das FG Münster hat mit Urteil vom 24. Januar 2018 (7 K 1007/17 E, F) eine interessante Entscheidung für einen Werbungskostenanzug derartiger Sachverhalte getroffen. Vorbehaltlich der Entscheidung der Revisionsinstanz (BFH-Az. VI R3/18) lassen sich die Grundaussagen wie folgt zusammenfassen:

Eine Studentin, die an einer deutschen Hochschule eingeschrieben ist, kann für Auslandssemester keine Aufwendungen für die dortige Unterkunft und Verpflegung als Werbungskosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung geltend machen, wenn sie im Inland keinen eigenen Hausstand unterhält.

Im Streitfall befand sich die nach § 9 Abs. 4 S. 8 EStG zu bestimmende erste Tätigkeitsstätte der Steuerpflichtigen jedoch während der Auslandsaufenthalte im Ausland und nicht mehr an der inländischen Fachhochschule. Denn eine ausländische Universität ist nicht nur im Fall eines vollständigen Auslandsstudiums, sondern auch im Fall eines Auslandssemesters als erste Tätigkeitsstätte des Studenten anzusehen.

Im Streitfall befand sich der einzige eigene Hausstand der Steuerpflichtigen im Ausland und nicht im Haushalt der im Inland wohnenden Eltern, da durch die reinen Besuchsaufenthalte in der Wohnung der Eltern kein eigener Hausstand der Steuerpflichtigen begründet wurde.

Ein melderechtlicher Wohnsitz ist nicht ausreichend. Erforderlich ist, dass die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung nicht bloß Bagatellbeträge sind.

  • Betragen die Barleistungen mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (z. B. Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs), ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1412, Tz. 100).
  • Betragen die Barleistungen weniger als 10 % der laufenden Haushaltskosten, kann der Arbeitnehmer eine hinreichende finanzielle Beteiligung auch auf andere Art und Weise darlegen, z.B. Finanzierung des gemeinsamen Urlaubs, der Kfz-Kosten oder von größeren Anschaffungen.

Sofern entsprechende Ausgangssituationen vorhanden sind, sollten sich Mandant und Berater gemeinsam über ein Vorgehen unterhalten, wie ein etwaiger Werbungskostenabzug gesichert werden kann. Selbst wenn keine Einnahmen erzielt werden, könnten die Werbungskosten zur Entstehung eines vortragsfähigen Verlustes im Sinne des § 10d EStG führen.(JMÖ)

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